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Road Trip Schweden September 2017

Tag 1 - Anreise bis malmö

In aller Ruhe haben wir uns am fünften September in Kirchheim auf unseren Road Trip nach Schweden begeben. Dank ähnlichem Musikgeschmack und einigen "Ess-Pausen" waren wir schnell hinter der deutschen Grenze und damit schon in Dänemark.
Da sich die Fahrt doch gut gezogen hatte kamen wir gegen 21.00 Uhr an der Schwedischen Grenze an, unsere Begeisterung wich schnell angespanntem Unbehagen, als wir direkt nach dem Öffnen der Schranke von einer Dame in Uniform angehalten und befragt worden sind. So harmlos und nüchtern wie wir drein schauten durften wir zum Glück schnell weiter - unseren Plan die erste Nacht gleich wild zu zelten wollten wir trotz Dunkelheit in die Tat umsetzen.

In der Nähe von Malmö hatten wir uns einen See ausgesucht, durften vor Ort allerdings nach mehrmaligem hin und her feststellen, dass es auf Google Maps unbewohnter ausgesehen hatte.

Nichtsdestotrotz fanden wir ein Plätzchen im Wald, gönnten uns ein redlich verdientes Fläschchen Bier und hörten den Geräuschen der Natur sowie vorbeirasenden Autos zu.


Tag 2 - Foteviken bis AlingsÅs

Ein kurzer Snack, das Zelt abgebaut und gleich weiter zu unserer ersten Attraktion - dem Foteviken (Freilicht-Wikinger-Museum) ca. 20min von Malmö entfernt.

Die Hörner müssen weg! Dafür gibt es dann ein Eis - wir hatten unsere Helme leider vergessen.

Außerhalb der Saison war der Andrang auf das Dorf recht gering, wir hatten also alle Zeit der Welt uns umzuschauen, in Boote zu setzen oder ein Kettenhemd zu werfen.

Das Dorf war dem Wetter und dem Saisonende zum Trotz bewohnt, jeder ging seiner Arbeit nach, ob Körbe flechten oder Brot backen es gab einiges zu entdecken. Die Souvenirs haben uns nicht richtig überzeugen können, lag vielleicht auch am Preis.

Zu unserer Unterkunft in der Nähe von Alingsås waren es noch knapp vier Stunden Fahrt, die Vorfreude war deutlich zu spüren. Dort angekommen wurden erst mal die wichtigsten Sachen ausgeladen, das Häuschen inspiziert und der Erste Erkundungsgang im Regen unternommen. Das Ziel war der kleinste von drei Seen im "Ort" (sehr weitläufige Häuseransammlung).
Von unserer Gastgeberin bekamen wir eine Wanderkarte mit markierten Routen, das war uns nicht genug und so stießen wir auf www.vastsverige.com/en/meetthelocals
auf folgenden Artikel "Explore the heart of Swedish nature wit a four-legged friend" (siehe Tag 5) - der Kontakt war schnell hergestellt und wir verabredeten uns mit Lars und Fanny für einen Spaziergang in das Herz schwedischer Natur.


tag 3 - das wandern ist...

Schweden, traumhafte Wälder, Seen, Inseln (Schären) und von Gletschern abgeschliffene Felsen - oder wie ich immer sage, ein bisschen Frankreich, Italien und Deutschland - alles in einem Land. Dank dem Jedermannsrecht (allemansrätten) ist das Wandern, sowie Wildcampen in Schweden besonders attraktiv. Einfach mal nachlesen. Querfeldein zu wandern, sich den Weg selbst auszusuchen ist einfach herrlich. Wer Respektvoll mit der Natur umgeht wird mit tollen Fotomotiven und Aussichten belohnt.

Unsere heutigen Ziele waren der mittlere See vor unserer Haustür, das Touristenbüro in Alingsås, sowie der See Mjörn mit seinen an die 60 Inseln.

Ein schönes Plätzchen am Ufer suchen, entspannen und sich freuen wenn eine Gruppe Enten die Felsen hochgewatschelt kommt um Hallo zu sagen.


Tag 4 - Bohus fästning

Bevor wir zu unserer Hauptattraktion des Tages aufbrachen, wollten wir uns noch mal spontan die Beine vertreten und haben den letzten der drei Seen angesteuert.

Trotz Rucksack, Wanderoutfit und Regenschirm wurden wir von einem Einheimischen auf Schwedisch angesprochen (zur Begrüßung Hej oder Hej hej), englisch war dann doch auch möglich. Er dachte wir wären zum Fischen unterwegs (am Meer kostenlos, an Seen mit Tageskarte (5-10€) möglich).

Begegnungen mit Einheimischen waren recht selten, es gibt einfach mehr Natur als Menschen in Schweden. Das fällt einem auch bei den vielen Pilzen auf, die in jedem Winkel der Wälder hervorschießen - hierzulande hat man es schon schwerer - später mehr dazu.
Nachmittags fuhren wir nach Kungälv, um uns die Festung Bohus (Bohus Fästning) anzuschauen. Ein schönes Gemäuer mit See auf einem Hügel mit toller Aussicht. Der Regen wollte uns natürlich nicht im Stich lassen - an dieser Stelle möchte ich anmerken, dass nur noch Sonnenschein schriftlich erwähnt wird.

Die zwei stündige Anfahrt hatte sich gelohnt, wir gingen nach dem Burgrundgang noch schnell einkaufen.


Tag 5 - Meeting a Lokal

Ein, zwei Schüsseln Müsli zum Frühstück, Proviant für unterwegs, die Wanderstiefel an und ab gings zu unserem Ausflug in das Herz der schwedischen Wildnis.

Gespannt auf Lars und Fanny fuhren wir zum vereinbarten Treffpunkt. Wir wurden sehr herzlich begrüßt und gingen voll bepackt auf Erkundungstour. Der anfängliche Smalltalk wich schnell gemeinsamen Themen und wir unterhielten uns blendend. Immer noch fasziniert von all den Pilzen ergriff ich die Chance und lenkte das Gespräch in diese Richtung und siehe da, Lars kennt sich ein wenig aus. Nach kurzer Zeit hatten wir (direkt am Wegrand) Pfifferlinge und zwei weitere Sorten gesammelt. Die Ausbeute war ausreichend um eine leckere Beilage für das Abendessen zu kochen, köstlich.

Er zeigte uns ein verlassenes Haus, welches noch bis vor einigen Jahrzehnten bewohnt war und nun von der Gemeinde in Schuss gehalten wird, um das Kulturgut für zukünftige Generationen zu erhalten.

Unsere erste Pause machten wir an Lars' Lieblingsplatz, einem See mitten im Wald mit einer kleinen Hütte.

Die uns umgebende Ruhe an diesem einzigartigen Flecken Natur zog uns in ihren Bann. Wir genossen jeden Atemzug in dieser Idylle.

Ihm gehörte dieser Wald sogar für einige Jahre, was für ein Traum.

Moosbewachsene Wege führten uns wieder in Richtung Zivilisation, vorbei an kleinen Infotafeln mitten im Wald. Einst standen dort bewohnte Häuser wie uns Lars erzählte, die Tafeln zeigten deren ehemaligen Standort an. Es wirkte etwas unwirklich mit all den Bäumen ringsum.

Nahe dem kleinen Ort der langsam das Ende unserer Tour verkündete lag ein weiterer See.

Wir hatten zwei neue Freunde dazu gewonnen, tolle Erinnerungen und Eindrücke mitgenommen, sowie etwas mehr über die Schweden und ihre Geschichte erfahren. Wusstet ihr, dass Schweden (Norwegen und Finnland) jedes Jahr um einige Millimeter in die Höhe wachsen? Nachwirkungen der Eiszeit.

Ein absoluter Geheimtipp, einfach mal auf meetthelocals vorbeischauen wenn ihr eure nächste Schweden Reise plant.

Nach unserem ausgezeichneten Abendessen mit den frisch gesammelten Pilzen - wir haben überlebt, haben wir den Abend am See in der Hängematte baumelnd mit einem Becher Met ausklingen lassen.


Tag 6 - Sonnenschein auf hoher See

Genau richtig gelesen, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, und eine geführte Kajak-Tour erwarteten uns an diesem Tag in Grundsund.

Die anfängliche Unsicherheit war nach den ersten Minuten auf dem Wasser wie weggeblasen - das Kajak hat einfach schon immer zum Körper gehört, überragend.

Wir paddelten langsam aus dem sicheren Hafen hinaus aufs offene Meer Richtung einer Gruppe von Schären (Inseln). Windgeschützt zwischen denen von der Eiszeit abgeschliffenen blanken Felsen folgten wir unserem Guide durch den Inselgarten. Wir erfuhren viel über das Kajaking, die Entstehung dieser Region, sowie über das Leben der Einheimischen an der Küste.

Das Gefühl durch diese recht karge Landschaft zu paddeln war unbeschreiblich, eins mit dem Wind und den Wellen konnte man sich auch hervorragend treiben lassen.

 

Die Mittagspause verbrachten wir auf einer größeren Schäre, welche wir über eine windgeschüzte Bucht erreichten. Kamera raus und die Insel erkunden, natürlich über Stock und Stein, querfeldein.

Nachmittags hatten Wind und Wellengang etwas zugenommen was den Rückweg Richtung Hafen erschwerte, meine Paddelbewegungen wurden schludrig und ich hatte ordentlich zu kämpfen - Video folgt.

Das Timing an diesem Tag was außerordentlich, als wir die Kajaks aus dem Wasser gehoben hatten, ergoss sich der Himmel über uns.

Wer einmal die Chance haben sollte am Meer Kajak zu fahren, meine absolute Empfehlung. Eine geführte Tour bietet sich für Anfänger an, wir haben es spontan organisiert und einen guten Preis erhalten. Dieser unvergessliche Tag war jeden Cent wert. Genug der Worte!


Tag 7 - Götheborg

Schlaf ist wichtig, auch im Urlaub - einmal ordentlich ausgeschlafen ging es voll neuer Energie nach Göteborg in die Hauptstadt West-Schwedens.

Mit dem Auto etwas verwirrend, vor allem wenn man sich die hohen Parkgebühren der Parkhäuser ersparen möchte - wir kamen schlussendlich nicht darum herum.

Mit dem Regenschirm im Gesicht hatte Göteborg doch fast schon etwas mystisches, Kollisionen mit der Stadtbevölkerung blieben zum Glück aus. Durch den Bahnhof an die Hafenpromenade die Viking bestaunend ging es weiter zum Maritiman (begehbares Schiffsmuseum), welches wir von außen begutachteten.
Wieder zurück durch die Innenstadt wurde noch ein wenig eingekauft, unter anderem Kanelbullar (Zimtschnecke), sollte man unbedingt probieren - gibt's sogar bei IKEA im Tiefkühlfach. Snus ist auch noch etwas typisch schwedisches (evtl auch Norwegen und Dänemark, bin mir nicht sicher), die Alternative zur qualmenden Zigarette, finde ich persönlich angenehmer, da unauffälliger, ohne Teer und nichtraucherfreundlich - man wird nicht vollgequalmt. Nur in Schweden erhältlich, benutzen darf man es dafür auch bei uns.


Tag 8 - Styrsö und Götheborg

Vormittags ging es mit der Fähre raus in den Schärengarten vor Göteborg. Spontan entschieden wir uns für die Insel Styrsö - wir wollten keine Stunde auf die Fähre nach Brannö warten. Mit Freude durfte ich feststellen, dass mir Styrsö nicht unbekannt war (Schwedenreise 2013). Meinen geheimen Platz im Nirgendwo haben wir leider nicht gefunden. 

Ein typisch rotes Holzhäuschen in ruhiger Lage, da würde ich glatt einziehen wollen.

Die Insel war schnell überquert, uns zog es ohnehin ans Wasser. Der Weg dorthin führte über Felsen, Büsche und durch den Wald. An der Küste angekommen, hieß es erst mal Socken trockenen.

Abends trafen wir und ins Göteborg mit einem alten Bekannten von mir auf eine Runde Billard, die teuerste Stunde Billard bis jetzt - vielen Dank für die Einladung an dieser Stelle. Man muss dazu sagen, die Adresse war super, tolles Essen und guter Service rundeten den Tag ab.


Tag 9 - Auf wiedersehen Schweden

Nun hieß es Abschied nehmen von unserer kleinen, gemütlichen Unterkunft und natürlich von Schweden.

Malmö ließen wir aufgrund des Wetters und nicht vorhandenen Hostels aus. Also über die Öresundbrücke nach Kopenhagen ins Verkehrschaos der Innenstadt.

Im Hostel angekommen, hieß es erst mal die Lage checken, um anschließend bei einem Burger und Bier die Optionen zu besprechen. Zum Glück bot das Hostel eine kostenlose Stadtführung am nächsten Tag an.

Die Nacht war, naja, Tiefschlaf war nicht möglich im 8-Bett Zimmer. Wieder was gelernt, mehr Bier oder weniger Betten pro Zimmer in Zukunft.


Tag 10 - Kopenhagen und heimreise

Guten Morgen Kopenhagen, eine Stadt mit flair und dem glücklichsten Glücklichsten Volk der Welt - den Dänen (Stand 2016).

Frühstück gab es in romantischer Umgebung zwischen parkenden Autos in der Tiefgarage, der Schwabe lässt grüßen.

Die dreistündige Stadtführung verging wie im Flug, unser Guide erzählte uns mit solch einer Begeisterung und Freude über vergangene Tage, Epochen und die Dänen, sodass die Tour einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.

Noch schnell ein T-Shirt im Hard Rock Cafe geholt und zurück auf den Asphalt, den letzten Kilometern unseres Roadtrips entgegen.


Was für ein geiler urlaub